Die Coworking-Szene am Scheideweg?

Es war länger ruhig in diesem Blog, was durch gesundheits- und auslastungsbedingte Aspekte verursacht war. Nichtsdestotrotz sehe ich genau jetzt den richtigen Zeitpunkt zu einem neuen Artikel und zwar zu den aktuellen Entwicklungen in der Coworking-Szene und wie diese zu interpretieren sind. Es ließ sich nicht vermeiden, dass manche Abschnitte dieses Artikel an eine Glosse erinnern und mehr oder weniger stark mit Polemik gespickt sind.

Eröffnen möchte ich diesen Artikel mit dem Hilferuf aus dem Kölner betahaus:

Wir sind in den letzten 6 Monaten mit dem betahaus | Köln immer weiter in eine finanzielle Schieflage geraten und mussten in dieser Woche anfangen mit unseren Geschäftspartnern zu reden, weil wir nicht alle Rechnungen pünktlich begleichen werden können. Die nächste Miete können wir nur mit großen Schwierigkeiten aufbringen und unser Vermieter ist schon im Bilde. Die Lage sieht jedenfalls zur Zeit nicht rosig aus.

Unsere Probleme sind vor allem fehlende gut bezahlte Events und Firmenkooperationen, sowie ein ausgebranntes Kölner Team, das sich in den fast zwei Aufbaujahren total verausgabt hat und dringend mal eine Verschnaufpause benötigt.

Einerseits muss man natürlich sehen, dass das Thema Coworking in Köln mittlerweile auch schon ziemlich ausgelutscht ist und in Köln schon lange jener Bedarf über Bürogemeinschaften abgedeckt wurde, was Coworking heute zu erfüllen versucht.  Andererseits habe ich mich schon seinerzeit gefragt, ob es vom betahaus sonderlich klug war, mit drei Standorten in Deutschland gleich auch den Sprung ins europäische Ausland zu wagen. Vielleicht wäre es sinniger gewesen, sich zunächst hierzulande mit der Entwicklung einer Art “beta-kultur” besser und stärker zu positionieren, diese mit der Coworking-Szene als Ganzes zu verzahnen und vor allem auch den Brückenschlag zur “alten Arbeitwelt” jenseits weniger goßer Namen wie Telekom oder Otto voranzutreiben.

Daneben gibt es mittlerweile nicht nur in Köln diverse Spaces unterschiedlichster Größe mit teils unterschiedlichen Ausrichtungen, aber unter dem Strich denke ich, dass die Coworker in der letzten Zeit einerseits mit den Füßen abstimmen, wo sie sich wohlfühlen, wo ihnen das Verhältnis von Leistung und Preis am ehesten zusagt und nicht zuletzt, welcher Space am nächsten zu ihrer privaten Wohnung liegt. Darüber hinaus dürfte die Wirtschaftskrise auch bei manchen Coworkern angekommen sein, die deshalb lieber wieder ins Home Office gewechselt sind, gerade in der kalten Jahreszeit. Oder mancher Freelancer hat sich zum Schutz vor der Krise in eine Anstellung in Teil- oder Vollzeit begeben. Auch Gerüchte darüber, dass manche Coworking Spaces mit wurzeln in Berlin zukünftig eine Art Hipster-Casting für neue Mitglieder veranstalten wollten, ernteten nur Kopfschütteln und haben unter dem Strich vermutlich allen Coworking Spaces geschadet.

Kosten und Nutzen

Mit Fahrtkosten und Coworking-Ticket liegt man als Coworker in den meisten größeren Städten locker bei Kosten von 300-450 Euro im Monat, dazu kommt die verlorene Fahrtzeit und die Zeit, die man auch im Coworking Space inzwischen immer häufiger abgelenkt wird, zuzüglich der täglichen Verpflegung außerhalb. Nicht in jedem Space legt man großen Wert darauf, dass die Coworker ihre Arbeit in Ruhe verrichten können und auch unter Coworkern gibt es inzwischen oftmals Leute, die beispielsweise gerne ordentlich Radau veranstalten oder den halben Tag lang mit lauthalsigen Telefonaten andere stören. Mit dem Hype um Coworking kamen nämlich auch häufiger Leute in die Spaces, denen Dinge wie Rücksicht auf andere eher fremd sind. Hier dürften es einige Spaces versäumt haben, notwendige räumliche Modifikationen vorzunehmen, vielleicht bot die vorhandene Lokalität aber auch gar keine Möglichkeiten dazu. Daneben ist zumindest eine Änderung der Nutzungsbedingungen und eine klare Kommunikation von Verhaltensregeln in Betracht zu ziehen, wenn es zu entsprechenden Auswüchsen kommt. Vielfach wird sich auf die lauten Leute gestürzt als sei Lautstärke ein Merkmal von Kompetenz oder Innovationskraft, während die ruhigeren Leute, die nur in Ruhe ihre Aufträge erledigen oder Projekte umsetzen wollen, igendwann lieber zu Hause bleiben oder woanders arbeiten.

Ich male hier keinen Teufel an die Wand, denn nicht nur in Deutschland geraten Coworking Spaces in Probleme, auch im europäischen Ausland, wie der Fall des HUB Brussels zeigt, oder in Übersee beispielsweise die Schließung des Citizen Space in San Francisco. Die Probleme scheinen daher struktureller Natur zu sein und sie sind meines Erachtens trotz ihrer Vielschichtigkeit überall recht ähnlich.

Von echter Vernetzung und Collaboration weit entfernt

Ich habe bei diversen Coworking-Treffen in NRW und Berichten über Treffen in anderen Regionen häufig feststellen müssen, dass gerade die Betreiber großer oder mehrerer Coworking Spaces dort durch Abwesenheit glänzten. Es ist zwar nachvollziehbar, wenn man dem Tagesgeschäft den Vorrang einräumt und seine knappe Freizeit zur Erholung nutzt, aber mit der Vernetzung und Zusammenarbeit sieht es dann natürlich mau aus. Wie auch im Fall des betahaus in Köln, habe ich mich da immer gefragt, ob es so ein großes Problem sein kann, unter seinen Coworkern Vertreter oder Helfer zu rekrutieren, die gegen freies / günstigeres Coworking einzelne Stunden oder Schichten übernehmen und so den Betreibern selbst die Möglichkeit zur Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells und zur Vernetzung unter den Space-Betreibern geben. Dann muss niemand beim Betreiben eines Coworking Space ausbrennen und es erhöht auch ungemein die eigene Glaubwürdigkeit, wenn man gegenüber Dritten von Kollaboration spricht und diese als einen elementaren Wert des Coworkings bezeichnet. Es bleibt allerdings die Frage, ob diese Space-Betreiber dann zu einer weiteren Vernetzung bereit wären oder ob sie nicht lieber in Ruhe ihr eigenes Süppchen kochen würden. Es gehört nämlich auch eine gewisse Portion Vertrauen in die anderen Space-Betreiber dazu, die ja trotz all der Sprüchlein zur Kollaboration irgendwo Mitbewerber sind und bleiben.

Konferenzdackel und Sprechpuppen

Auch ist vielfach zu beobachten, wie sich in der jeweiligen Coworking-Szene regional und auch überregional Netzwerke von Leuten herausbilden, die sich gerne gegenseitig zitieren und hofieren, gegenseitig auf irgendwelche Konferenzen, Barcamps etc. als Sprecher einladen und so tun als seien diese so etwas wie die Vertreter aller Coworking Spaces und Coworker, besonders innovativ, toll, geistreich… etc. Meistens begegnet man  aber eher dem Szenario von Hundeplätzen innerhalb solcher Netzwerke: man trifft sich, beschnuppert sich immer wieder gegenseitig am Hinterteil, versichert sich, dass der / die andere einen selbst nicht anknurrt (=kritisiert) und findet es immer wieder ganz toll, dass man sich so zahlreich überall trifft – was den Irrglauben an die eigene gewichtige Rolle unterstreicht.

Der geneigte Leser wird es bereits ahnen, dass hier ähnliche Mechanismen ihr Werk verrichten wie in vielen Büros der vermeintlich alten Arbeitswelt. Nur leider sind hier wie dort diejenigen, die besonders viel reden, sich präsentieren und sich besonders gerne in den Vordergrund drängen, nicht unbedingt diejenigen, die die besten Ideen haben oder am meisten arbeiten. Oftmals kommen dabei lediglich Phrasen herum, die wirken als seien sie aus einem billigen Küchenkalender der 80er Jahre abgeschrieben. Oder man macht sich einfach Beiträge anderer von Barcamps usw. für eigene Zwecke nutzbar, gibt sie als eigene aus und freut sich über diese zweifelhafte Form der Kollaboration, die letztlich auch nur eine Form der Ausbeutung Dritter wie in der alten Arbeitswelt darstellt.

Ich nenne solche Leute gerne Konferenzdackel oder Sprechpuppen: Sie dackeln von einer Konferenz zur anderen und zeigen dort das oben beschriebene Verhalten vom Hundeplatz oder fangen umgehend an zu sprechen, sobald sich ihnen ein Publikum bietet. Überflüssig zu erwähnen, dass selbst berechtigte Kritik an Konferenzdackeln und Sprechpuppen der Coworking-Szene mit hysterischer Skandalisierung, Ausgrenzung und ggf. öffentlicher Hinrichtung der Kritiker geahndet wird. Wer sich dabei an das Schema des Mobbings in normalen Büros erinnert fühlt, liegt damit größtenteils richtig. Schöne neue Arbeitswelt…

 Kreativ, kreaaaatiiiiv, kreaaaatiiiiiiiv!

Hier in Deutschland kann man eine Fokussierung vieler Coworking Spaces auf die sogenannte Kreativszene feststellen. Aber was ist eigentlich so kreativ an dieser Kreativszene? Vielleicht die mehr oder weniger fragwürdigen Projekte, die es vielfach ohne irgendwelche öffentlichen Fördermittel von Land, Bund oder EU gar nicht gäbe? Oder das hippieartige Herumvegetieren in nutzlosen sonderbaren Studiengängen wie Gender Studies bis Mitte oder Ende dreißig, solange die Eltern den Unterhalt finanzieren? Die immer wieder neue Wiederbelebung von Alt68er-Content, der heute noch immer nicht richtiger ist als damals zu Zeiten der 68er? Gute Frage.

Fakt ist jedenfalls, dass diese sogenannte “Kreativszene” meines Erachtens das Thema Coworking dazu missbraucht, Kreativität (oder das, was sie dafür hält) und damit in deren Denke natürlich auch vor allem sich selbst als angeblich dringend benötigte Ressource für die Unternehmen zu positionieren. Nach vielen Jahren Gammelei und Ringelpiez mit Anfassen an der Hochschule und Jahren im Prekariat soll es nun mittels Selbstvermarktung über die Coworking-Schiene an die Fleischtöpfe der Unternehmen gehen. Die Unternehmen fragen sich hingegen – oftmals zu Recht – was sie mit so mancher Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Freakshow anfangen sollen, die sich ihnen da präsentiert. Denn die Unternehmen brauchen produktive Leute und nicht solche, die erstmal ihre Gefühle bei der Auswahl des Raumsprays für das Besucher-WC tanzen wollen. Solche Leute sind im Bauwagen auf der grünen Wiese besser aufgehoben als im Büro nebenan.

Innovation?

Einen weiteren Begriff, den die Redepuppen der Coworking-Szene gerne besetzen, ist die Innovation. Klingt ja so schön modern und potentiell produktiv. Aber was ist denn daran besonders innovativ, wenn sich mehrere Freelancer unterschiedlicher Fachrichtungen in einen Raum setzen, vielleicht zwischendurch kurz miteinander quatschen und jeder an seinen eigenen Arbeiten / Projekten schraubt? Der durchschnittliche Geschäftsführer oder Agenturchef wird da schallend auflachen und entgegnen, dass die Angestellten das in seinem Büro ebenfalls tun, dort sogar jeden Tag produktiv und messbar erfolgreich miteinander für ihn arbeiten. Das ist nun in der Tat nicht sonderlich innovativ und eine Zusammenarbeit jenseits der bereits vorher zwischen Kollegen stattgefundenen gibt es nach meinen Beobachtungen auch in Coworking Spaces eher selten. In Startups hingegen gibt es bereits vor dem Einzug in einen Coworking Space teamartige Strukturen, die eine Zusammenarbeit ermöglichen und erleichtern.

Im von mir durchaus sehr geschätzten deskmag erschien kürzlich ein Artikel, wonach es der Community in Coworking Spaces besonders gut tue, wenn es vor Ort eine Art Café oder andere Möglichkeiten zum gemeinsamen Essen gäbe. “Potzblitz”, wird sich da der mittelständische Geschäftsführer denken, “40 Jahre nach uns entdeckt die innovative Coworking-Szene den sozialen und faktischen Nutzen einer Kantine!” Und all jene Freelancer, die bis heute lieber oder wieder in Cafés ihrer Wahl arbeiten, werden müde lächeln, gähnen und sich noch einen Kaffee bestellen. Ein Blick in Unperfekthaus in Essen würde reichen, um die Thesen des erwähnten Artikels bestätigt zu sehen, allerdings hat nicht jeder Coworking Space die gleichen Möglichkeiten wie das riesige und personell gut aufgestellte Unperfekthaus. Da kämen beispielsweise eher Kooperationen mit Lieferdiensten oder Homemade Catering in Betracht. Eine besondere Innovation ist so eine zusätzliche Dienstleistung wie ein Café oder Catering nicht gerade, nett und angenehm im Arbeitsalltag aber ganz sicher.

Apropos Innovation: Wer sich bei dem in Coworking-Kreisen beliebten Thema Open Innovation an das Prinzip “Teile und herrsche” aus der Informatik erinnert fühlt, liegt damit goldrichtig. Einmal mehr wird uralter Wein in neue Schläuche gefüllt und als vermeintliche Innovation verkauft – ganz schön kreativ.

Fixierung auf Startups

Ein weiter Punkt, den ich häufiger festgestellt habe, ist die Fixierung vieler Spaces auf Startups. Der durchschnittliche Freelancer, dessen persönliches Ziel vielleicht dabei liegt, seinen Lebensstandard zu halten und seine Altersvorsorge aufzubauen oder in absehbarer Zeit mit ein paar Kollegen eine Bürogemeinschaft oder eine kleine Agentur finanzieren zu können, kommt in einem auf Startups fixierten Umfeld eher nicht vor. Es muss schon mindestens ein – natürlich möglichst kreatives, möglichst innovatives und mit vielen Buzzwords gespicktes – Startup sein. Es reicht nicht, einfach seine Arbeit gut zu machen, davon erträglich leben zu können und damit zufrieden zu sein. Solche auf Startups fixierten Spaces mögen zwar vielleicht ein paar Schlagzeilen bekommen und andere potentielle Startups anziehen, aber die Masse der Freelancer dürfte sich eher abgeschreckt fühlen. Vor allem dann, wenn z.B. ein Grafiker noch schnell abends einen Auftrag fertigmachen muss, aber der Space genau an diesem Abend für irgendeinen Pitch oder die x-te Runde der Schwafelritter zu einem Startup- oder Kreativ-Thema gefüllt und laut ist. Besonders amüsant ist es immer wieder, wenn beim Thema Startup unabhängig vom Kernthema des jeweiligen Startups immer mindestens Bezug auf die Stories von Apple, Google, Microsoft & Co. genommen wird, alles andere wäre ja zu klein und unspektakulär für die Präsentation. Spätestens nach dem x-ten Startup, das nach dem kleinen Pitch im Coworking Space wieder in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit oder Insolvenz verschwindet, wirkt das aber nur noch lächerlich und aufgeblasen.

Datenschutz und Datensicherheit

Gerade für Freelancer, die häufiger für Unternehmen arbeiten, welche auf Vertraulichkeitserklärungen und gewisse Standards in Sachen Datenschutz bestehen, sind Arbeitsplätze ohne Sichtschutz und die offenen Netzwerke in Coworking Spaces ein Problem. Man ist in solchen Netzwerken nicht sicherer als im offenen WLAN eines Cafés, der eigene Rechner muss also bestmöglich geschützt werden. Ebenso müssen alle Datenträger verschlüsselt und täglich ein Backup durchgeführt werden. Angesichts dieses Mehraufwands ist es vielfach einfach wirtschaftlicher und effizienter, entweder im Home Office oder direkt im Büro mit Testserver, Versionierungssystem, nächtlichem Backup und weiteren Sicherungsmechanismen zu arbeiten – Kollegen, Kaffee und Austausch inklusive.

Interessenvertretung und Pressearbeit

Bereits auf dem Coworking Barcamp in Wuppertal wurde das Thema Interessenvertretung / Verband für wichtig befunden und es folgten diverse Vorstöße in Form einer Satzung und erste organisatorische Schritte bereits gegen Mitte des Jahres 2011. Das Thema verlief u.a. deshalb im Sande, weil von manchen ein besonders “kreativer” Name für den Coworking-Verband gewünscht worden war. Kreativ bedeutet in dem Fall jedoch eher, dass ein Branding im Sinne dieser Personen erfolgen sollte, um die Interessen der Coworking Space-Betreiber, Coworker und der Coworking-Szene als Ganzes ging es dabei nicht. Manche machen auch generell nichts unterhalb der internationalen, also globalen oder mindestens europäischen Ebene, auch wenn rein logisch nichts dagegen spricht, dass sich Verbände der einzelnen Länder später zu einer internationalen Organisation zusammenschließen oder einen internationalen Dachverband gründen. So machen es viele andere Branchen seit Jahrzehnten, also muss es ja schlecht sein – so wohl die voherrschende Denke.

Mittlerweile gibt es wohl einen erneuten Versuch einen Coworking-Verband auf die Beine zu stellen und ich bin schon gespannt, ob, wann und an welchen Querelen es dieses Mal scheitern wird. Vielleicht wird es erneut an der zu geringen Beteiligung oder an überflüssigen Diskussionen zu nebensächlichen Pipifax-Aspekten liegen. Putzig zu beobachten ist dabei, wer da manche Rolle übernommen hat. Auch das hat wenig mit Kollaboration, das ist eher die ganz banale Konkurrenz wie überall in der Wirtschaft. Ein Beleg mehr dafür, dass Kollaboration auch in der Coworking-Szene oftmals nicht mehr als ein Buzzword ist. Gleichzeitig hört man aus verschiedenen Regionen Deutschlands bereits, dass man sich eher über bereits bestehende Verbände organisieren will und wohl auch das Vorgehen einer eher geschlossenen Gruppe, die dann hinterher für sich in Anspruch nimmt für alle Coworking Space-Betreiber und Coworker zu sprechen, für fragwürdig hält. Ach ja, das ist dann wohl das Ding mit der Offenheit als weiteren Coworking-Wert…

Den Anschluss an geeignete Themen verpasst

Es gab und gibt viele Themen, die in der Coworking-Szene schlicht verpasst oder ignoriert wurden, weil die Themen der Konferenzdackel und Sprechpuppen zumeist besonders dominant diskutiert wurden. Da wäre beispielsweise das Thema B-Typen / B-Society oder Ökologie in der Hinsicht, dass die Arbeit in entsprechend gut ausgestatteten und abgesicherten Coworking Spaces jeden Tag viele Tonnen Kohlendioxid und Feinstaub aus dem Pendlerverkehr sparen könnte. Auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist möglich, wenn man nicht jeden Tag 100 km und mehr je Strecke ins Büro pendeln muss, sondern nur wenige Kilometer in einen Coworking Space seiner Wahl. Da kann man einfacher nachmittags nach Hause und sich um die Kinder kümmern, die aus der Schule kommen oder von der Kindertagesstätte abgeholt werden müssen.

Ebenso könnten Coworking Spaces und die dort arbeitenden Firmen und Startups sich demonstrativ gegen die Verwerfungen der Arbeitswelt in den vergangenen 10 Jahren stellen, beispielsweise gegen die Ausbeutung von Praktikanten oder Leiharbeitern, alternativ auch für die Einbindung älterer Arbeitnehmer, die mit ihrer umfangreichen Erfahrung für Coworking Spaces und Startups sehr wertvoll sein können. Realität ist hingegen, dass viele Coworking Spaces – ähnlich wie Agenturen – ihr Personal bevorzugt mit nicht oder nur schlecht bezahlten Vollzeit-Praktikanten aufstocken und sich damit nicht von den Akteuren der alten Arbeitswelt unterscheiden, die sonst Ziel ihrer Kritik sind.

Die Verbindung mit der “alten Arbeitswelt” nicht geschafft

Mein Eindruck ist, dass vielfach angenommen wird, man müsse sich als Betreiber eines Coworking Space nur die Labels “kreativ”, “innovativ” und “Coworking” anheften und auf ein paar der überaus zahlreichen Konferenzen herumlaufen, schon würden ihnen Freelancer und Unternehmen die Bude einrennen. Das Gegenteil ist der Fall: man muss sich bei Freelancern und Unternehmen darum bemühen, ihnen die Möglichkeiten und den möglichen Mehrwert von Coworking vor Augen zu führen und bei Konferenzen sehr genau analysieren, welche Optionen im jeweiligen Space sinnvoll und umsetzbar sind und welche nicht. Eine gute Pressearbeit, die bis zur möglichen Existenz eines Coworking-Verbandes selbst oder von spezialisierten Dienstleistern durchgeführt wird, rundet die notwendigen Maßnahmen ab. Nicht zuletzt sollte man berücksichtigen, dass viele Freakshows, Konferenzdackel und Sprechpuppen nur selten etwas Gehaltvolles zu sagen haben, was den eigenen Coworking Space aufwerten kann.

Nach meinen Beobachtungen waren viele Unternehmen der “alten Arbeitswelt”  anfangs durchaus offen für das Thema Coworking, haben aber nicht selten nach einem ersten Vorstoß wieder Abstand davon genommen. Sei es wegen Problemen bei Datenschutz- und Datensicherheit, der Ablenkung in den Spaces und der Befürchtung, dass die Arbeiten nicht fertig werden, aber die Mitarbeiter als durchgegenderte, dauerbekiffte und aufmüpfige Öko-Terroristen mit Tempelflitzern aus dem Hause Birkenstock zurückkehren könnten, diverse Faktoren haben wohl erhebliche Zweifel daran aufkommen lassen, dass die eigenen Mitarbeiter dort produktiv und im Sinne des Unternehmens arbeiten können. Darüber sollte man sich in der Coworking-Szene mal ein paar Gedanken machen und – wenn notwendig – Veränderungen anstoßen.

Wie Coworking meiner Meinung nach sein sollte

Für mich ist der ideale Coworking Space eine Mischung aus Coworking Space und Business Center. Das heißt, es sollte – gegen Aufpreis oder als Mischkalkulation – vergleichbare zusätzliche Dienstleistungen wie in einem Business Center geben, das Abrechnungsmodell aber ähnlich flexibel sein wie in einem Coworking Space. Daneben gehört ein optionaler Sichtschutz an jeden Arbeitsplatz oder die Tische sollten so angeordnet sein, dass eben nicht jeder dem anderen sofort unbemerkt auf das Display schielen kann, wenn er das nicht will. Vor allem sollte die Coworking-Szene sich aber langsam deutlicher positionieren, was sie sein will. Will sie eine Bewegung sein, so muss sie damit rechnen, dass sie früher oder später untergeht und von einer neuen Bewegung überrollt wird. Will sie eine Branche sein, muss sie sich stärker um die wirtschaftlich wichtigen Aspekte für die Coworker und eine gute Verbindung zur “alten Arbeitswelt” bemühen. Anknüpfungspunkte gibt es viele, denn gerade die nächsten Absolventen-Jahrgänge werden immer häufiger nach flexibleren Arbeitsplätzen fragen, insbesondere hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort. Betreiber von Coworking Spaces könnten sich bei diesem Thema als Experten postionieren, wenn sie ihre Hausaufgaben gewissenhaft machen. Im gleichen Atemzug können sie ihre Spaces als mögliche Arbeitsorte präsentieren und die Anpassung der Arbeitsprozesse an flexiblere Arbeitsmodelle unterstützen.

Ich bezweifle auch nicht, dass Coworking Spaces nur für Startups, nur für Freelancer und Arbeitnehmer oder auch komplett gemischt funktionieren können. Es hängt aber schlicht von der Klientel vor Ort ab, inwiefern Coworking-Angebote dann in der gewünschten Art und Weise angenommen werden oder nicht. Dies zu analysieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen, das ist neben dem inzwischen gebetsmühlenartig wiedergekäuten Slogan “Community first” meines Erachtens eine der wichtigsten Aufgaben für Space-Betreiber und solche, die es werden wollen.

Vor allem aber sollte man sich überlegen, welche Außenwirkung sich Coworking Spaces und Coworker wünschen. Will man als eine Art globale Hippie- und Ökobewegung mit Internetanschluss wahrgenommen werden oder als halbwegs ernstzunehmende und professionelle Dienstleister, die selbst Mehrwert schaffen, die Produktivität ihrer Kunden schützen und idealerweise verbessern? Spleenige Konzepte und Freakshows, die in Berlin funktionieren, funktionieren oftmals auch nur genau dort. Gerne kann und soll es auch Spaces geben, wo die Leute meinetwegen mit Fingerfarben malen, Blumenkränze flechten,  ihren Namen tanzen, die Sprache gendergerecht verhunzen und sonstigen Krempel aus der Zeit zwischen Kindergarten, Grundschule und Hippie-Kommune machen können, sofern es dafür vor Ort eine Klientel gibt, sich das Modell wirtschaftlich trägt und die dortigen Zustände klar kommuniziert werden. Aber Arbeitnehmer und Freelancer, die in Ruhe produktiv arbeiten wollen, würden solch eine Lokalität wohl nicht aufsuchen.

Fazit

Die Coworking-Szene steht in meinen Augen derzeit in der Tat an einem Scheideweg. Es gilt mehr denn je, sich nun eindeutiger als früher zu positionieren, Mehrwerte zu schaffen und seine Angebote klar zu kommunizieren. Denn gut bezahlte Events und Firmenkooperationen fallen ebenso wie treue und begeisterte Coworker nicht vom Himmel, sondern müssen vor allem durch ein seriöses und professionelles Erscheinungsbild und eine überzeugende Leistungsfähigkeit akquiriert und bei der Stange gehalten werden.

Es gibt mittlerweile in vielen Städten wieder eine zunehmende Zahl von Angeboten für Bürogemeinschaften, die zwar nicht so flexibel buchbar sind wie Arbeitsplätze im Coworking Space, dafür bekommt man aber beispielsweise für 250,00-400,00 Euro / Monat locker zwei Arbeitsplätze, ggf. in einem eigenen kleinen Büro einschließlich Kaffee-Flat, Nebenkosten, Strom, Reinigung, oftmals auch Mobiliar und dem Komfort, seinen Kram nach Feierabend einfach stehen lassen und die Türe abschließen zu können. In einem solchen Umfeld, wo man sich im Laufe der Zeit tatsächlich besser kennenlernt und vertraut, da entstehen dann auch wirklich neue Aufträge, gemeinsame Projekte und weitere Synergie-Effekte, von denen in der Coworking-Szene oftmals nur in der Theorie und veröffentlichten Selbstdarstellung etwas zu hören ist.

Zusätzlich haben viele Business Center inzwischen ihr Angebot erweitert und bieten mit Produkten unter Bezeichnungen wie Shared Office oder Coworking Office seit geraumer Zeit ebenfalls Angebote in einer ähnlichen Preisklasse von Coworking Spaces an, allerdings meistens in besseren / zentraleren Lagen in oftmals modernerem und edlerem Ambiente. Die Wahrscheinlichkeit, dort auf wandelnde Freakshows, Konferenzdackel oder Sprechpuppen zu stoßen, ist eher gering, allerdings ist natürlich generell der vertragliche Teil und das Arbeitsklima dort etwas förmlicher als in einem Coworking Space. Wer damit kein Problem hat, ist mit einem solchen Angebot aber ganz gut bedient und kann dort in Ruhe seine Arbeit erledigen.

Seit einiger Zeit verbreiten sich zunehmend Hackerspaces und mancher (frühere) Coworking Space bezeichnet sich auch inoffiziell jetzt schon als Hackerspace oder trägt ein vorhandenes FabLab in die Hackerspace-Liste ein. Dort herrscht insbesondere in Sachen Events offenbar mehr Leben als es in vielen Coworking Spaces bislang der Fall war. Dies liegt aber vermutlich unter anderem an der speziellen Klientel, die sich zum größten Teil wohl aus Mitgliedern des Chaos Computer Club zusammensetzt, und an Tagen und Abenden mit speziellen Themen, die einzelne Interessengruppen gezielt ansprechen. Die meist eher technischen Themen richten sich direkt an die jeweilige Zielgruppe und halten gleichzeitig Konferenzdackel und Sprechpuppen effektiv fern.

Wie ja bekannt wurde, hat das betahaus Köln nun zum 15. April 2013 seine Pforten geschlossen, nachdem ein Sanierungskonzept und die Suche nach einer neuen Immobilie nicht von Erfolg gekrönt waren. Unter dem Strich bleiben die Umstände der Verhandlungen mit dem Vermieter teilweise schleierhaft und es wirkt auf Außenstehende so als habe dieser durch kostspielige Auflagen hinsichlich des Brandschutzes für das Büdchen, die trotz angespannter Kassenlage kurzfristig umgesetzt werden sollten, das endgültige Aus auch ein wenig forciert. Vielleicht gibt es da ja bereits andere Nutzungskonzepte und Mietinteressenten für diese Immobilie in der Schublade.

Werfe ich jedoch einen Blick auf die Einträge zu Veranstaltungen im Kölner betahaus im März, dann fällt mir da einiges auf. So wurde beispielsweise ein WordPress-Workshop angeboten, an dem bis zu 20 Leute teilnehmen konnten – ein Tag für 179,00 Euro je Person. Es ist utopisch anzunehmen, dass man einen solchen Workshop an einem Tag mit bis zu 20  Personen durchführen kann, denn solche Lerngruppen sind in der Regel sehr heterogen und die Zahl der Fragen nicht vorhersehbar. Wer dann das Versprechen von “fundiertem Hintergrundwissen” mit der Beschreibung der Inhalte vergleicht, der ist erst recht erstaunt, denn offenbar wurde da kaum mehr als die Basics geboten, von benötigten Vorkenntnissen erfährt man ebenfalls nichts. Wer eh technisch affin ist, würde sich die dort genannten Inhalte innerhalb 2-4 Stunden mit dem WordPress-Codex und ein paar Tutorials aus dem Netz eher autodidaktisch aneignen. Solche und bessere Kurse gibt es inzwischen in vielen Volkshochschulen mit maximal 12-14 Teilnehmern an zwei Tagen zum knapp halben Preis. Klar, die Volkshochschulen werden öffentlich gefördert und können daher bessere Konditionen anbieten, aber für die Teilnehmer zählen unter dem Strich lediglich die Inhalte und Konditionen.

Ähnlich verwirrend mutet das Angebot eines kostenlosen Adwords-Trainings an, bei dem die Basic-Session zeitlich nach der Advanced-Session terminiert wurde. Wenn es dann zum Meetup der Digital Media Women Köln geht, möchte man sich final an den Kopf fassen. Anstatt Themen zentral zu positionieren, wird sich auf willkürlich selektierte Zielgruppen eingeschossen und jedem Coworker, der nicht nebenbei oder hauptberuflich für die Grünen aktiv ist, rollen sich bei solchen ausschließenden Veranstaltungen die Fußnägel auf. Wie war das noch mit der Offenheit und Zugänglichkeit als Coworking-Werte? Ups, schon wieder dieser breite Riss zwischen Anspruch und Wirklichkeit in den postulierten Coworking-Werten…

Zusammenfassend denke ich, dass aktuell und in naher Zukunft Coworking Spaces folgende Erfolgsfaktoren benötigen:

  • Zentrale Lage
    In Köln wäre das beispielsweise in der Nähe der S-Bahn oder aber entlang der Strecken der Linien 16 und 18 oder entlang der Ringstrecke. Denn Fahrtzeit ist verlorene Lebens- und Arbeitszeit. Ebenso muss eine Verpflegung vor Ort vorhanden oder fußläufig in der Umgebung schnell erreichbar sein.
  • Flexible Arbeitsräume und Aufteilung
    Die Arbeiträume sollten flexibel veränderbar sein, auch und insbesondere hinsichtlich der Aufteilung und möglicher Modifikationen zur Einrichtung unterschiedlicher Lautstärke-Zonen. In erster Linie sollte in Coworking Space ein Arbeitsraum sein, lautstarke Kommunikation, der oft hochgelobte Austausch und Events sollten das Angebot eher abrunden oder aufwerten.
  • Passende Klientel / der optimale Mix
    Die vor Ort anzutreffende Klientel muss zum Angebot im jeweiligen Coworking Space passen. Monokulturen sind oftmals weniger beständig, ein guter Mix aus Freelancern, Startups und “ausgelagerten” Arbeitnehmern bietet hingegen die produktive Mischung, die sich viele Space-Betreiber wünschen.
  • Basics und Technik
    Zu den Basics zähle ich Dinge wie ergonomische Sitzmöbel und dazu passende Arbeitstische, wozu auch Stehpulte oder höhenverstellbare Tische zählen. Ebenso muss die Beleuchtung und Belüftung bzw. Heizung einwandfrei funktionieren und generell die Arbeitsrgonomie stimmen. Selbstredend sind Ausfälle des Internetzugangs zu vermeiden, ggf. durch einen zuschaltbaren  UMTS-Router als Fallback, und die Nutzung vorhandener Hardware wie Drucker, Scanner, Kopierer etc. sollte selbsterklärend mit minimalem Aufwand möglich sein – nicht nur für das MacBook, sondern auch für Windows-PCs.
  • Brückenschlag zur “alten Arbeitswelt”
    Die Betreiber des Coworking Space sollten sich um einen möglichst breiten Brückenschlag zur “alten Arbeitswelt” bemühen. Dabei sollten nicht nur wenige große Namen angesprochen werden, sondern insbesondere auch viele kleine bis mittelständische Unternehmen aus der Region, die als Kooperationspartner des Space oder als Kunden der Coworker fungieren können. IHK und andere Verbände von im Space häufiger anzutreffenden Berufsgruppen sind natürlich sowieso anzusprechen und ggf. einzubinden.
  • Unterstützung bei der Flexibilisierung von Arbeitsplätzen
    Unternehmen sind dankbar für Beratung, Tools und Anpassung der Arbeitsprozesse bei der Flexibilisierung ihrer Arbeitsplätze. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort überfordert aber viele Geschäftsführer bis heute derartig intellektuell, dass sie darauf eher mit neurotischer Kasernen- oder Sklavenschiff-Mentalität als souverän und konstruktiv reagieren und die sich daraus ergebenden Chancen zu erkennen und zu nutzen. Hier Rat und Tat anzubieten und entsprechende Modelle / Prozesse zu implementieren, kann auch die Tür für Coworking in den betreffenden Unternehmen mehr oder weniger weit öffnen.
  • Weniger Freakshow, mehr Bodenständigkeit
    Es mag schick oder avantgardistisch sein, in Coworking Spaces auch ein paar spleenige Typen oder Freaks sitzen zu haben, jedoch sollte man darauf achten, dass diese Gruppe nicht zu groß wird und vor allem die durchschnittlichen Coworker nicht übermäßig stören oder belästigen. Auch jegliche Indoktrinationen politischer oder ideologischer Art werden von den meisten Coworkern nicht sonderlich geschätzt – Grüne hin, Piraten her oder Gender kreuz und quer.
  • Mehr Glaubwürdigkeit wagen
    Ich habe schon oben bei den Beispielen zu Kollaboration, Offenheit und Zugänglichkeit aufgezeigt, dass das, was dauernd als Coworking-Werte beweihräuchert wird, oftmals kaum mehr ist als eine Sammlung von Buzzwords mit wenig bis Null Substanz dahinter. Dass daneben eine Ergänzung der Coworking-Werte um einen Wert wie Fairness sinnvoll wäre, wird derzeit in der Coworking-Szene merkwürdigerweise nicht diskutiert.
  • Ausgewogenheit vs. Radikalität
    Oftmals wurde konstatiert, dass zukünftig Werte nicht mehr im Büro geschaffen würden, um im gleichen Atemzug Büro-Arbeitsplätze in Coworking Spaces als die bessere Lösung anzupreisen.  Ich halte dies für einen Irrweg und den Beweis für diese These sind die Sprechpuppen der Coworking-Szene vielfach schuldig geblieben. Wichtig ist meines Erachtens ein ausgewogener und für die Arbeitenden positiv empfundener Mix aus Büro, Home Office und Coworking Space auf dem Weg zu flexibleren Arbeitsplätzen. Ebenso wie nicht jeder, der in einem Coworking Space arbeitet, ein Startup aus der Taufe heben will, kann und will auch nicht jeder Coworker jeden Tag in einem Coworking Space arbeiten. Ein wenig mehr Toleranz und Nebeneinander statt Gegeneinander – insbesondere auch in der von Konferenzdackeln und Sprechpuppen kolportierten Außendarstellung – wäre da sicherlich nicht die schlechteste Idee.
  • Konferenzdackel und Sprechpuppen
    Das Phänomen der in die Coworking-Szene eingefallenen Konferenzdackel und Sprechpuppen habe ich ja weiter oben bereits ausführlicher beleuchtet. Coworker und Coworking Space-Betreiber tun gut daran, die Aufmerksamkeit auf solche Leute zu reduzieren, denn anders wird man diese nicht dauerhaft los. Das sind häufig Leute, deren Geschwätz die Kollegen und Freunde schon lange nicht mehr hören wollen und können, deshalb suchen diese sich ihr Publikum anderweitig. Besser ist es, sich um konkrete Mehrwerte und Unterstützung für seine Coworker vor Ort und für Coworking Space-Betreiber zu kümmern, dann ziehen die Konferenzdackel und Sprechpuppen schon bald weiter zu der nächsten Szene, wo sie ein neues Publikum finden können, z.B. zu den Hackerspaces oder wo auch immer.
  • Es geht um alle Büro-Arbeitnehmer, nicht nur um Kreative oder Startups
    Es gibt zahlreiche Themen, die nicht nur Coworker betreffen, sondern alle Freelancer oder gar alle Berufstätigen, z.B. Themen wie Bildung und Weiterbildung, die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme , notwendige Veränderungen der Alters- und Gesundheitsvorsorge, die Flexibilisierung der Arbeitswelt oder Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen. Dies sollte man sich vor Augen führen und es vermeiden, sich auf spezielle Gruppen wie Kreative / Startups / Frauen / Urzeit-Krebse / Aliens etc. einzuschießen, um eine möglichst breite Diskussion zu ermöglichen. Es ist allemal hilfreicher, in 100 Menschen ein Bewußtsein für solche Themen zu wecken als sich regelmäßig zu 5-10 Leuten zu treffen und am Ende immer wieder einhellig der Meinung zu sein, dass man ja richtig liegt, aber es niemand verstehen will.

Kurzum, es wäre an der Zeit, dass die Coworking-Szene den Beweis erbringt, dass sie so kreativ, innovativ, fortschrittlich, kollaborativ und sonstwas ist wie sie gerne behauptet. Bisher ist sie diesen Beweis vielfach nämlich schuldig geblieben und hat vorrangig viel Lärm um Nichts und sich selbst produziert.

Ich kann für meinen Teil sagen, dass ich in Coworking Spaces durchaus manche interessanten Leute getroffen habe, die ich aber wahrscheinlich auch bei der einen oder anderen IT-lastigen Veranstaltung sonstwo hätte treffen können. Dazu gesellen sich Leute, zu denen nicht mehr als ein Fragezeichen übrig geblieben ist und auch einige wenige, die aus unterschiedlichen Gründen niemand gerne in seinem Umfeld hat, weil sie einen dauernd mit irgendeinem Blödsinn zuschwafeln, krankhaft nach Aufmerksamkeit lechzen und immer auf der Suche nach Publikum und abschöpfbarer Kreativität anderer sind, was sie dann als Kollaboration bezeichnen.

Meine Zukunft wird sich aber glücklicherweise, unter anderem auch aus gesundheitlichen Gründen, vorrangig im Büro und vielleicht an manchen Tagen im Home Office abspielen. Es kann doch sehr entspannend sein, wenn man die Leute um sich herum kennt, in Ruhe seine Arbeit erledigen kann und auch die Stimmung passt. Wenn man einfach seine ToDo-Liste abarbeiten, seine Ziele ohne größere Ablenkungen erreichen und halbwegs pünktlich Feierabend machen kann. Wer will da schon lieber Teil einer vermeintlich globalen Bewegung sein, die sich ideologisch zwischen Alt68er, Hippie-Kommune und Grünen-Parteitag positioniert, aber regelmäßig einen halbtrockenen Feuchten für die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen in ihrer eigenen Umgebung interessiert, wenn es nicht gerade darum geht wieder viel Lärm um Nichts zu veranstalten, Fördergelder anzuwerben oder das nächste Startup zu hypen?

Es mag sein, dass das klassische Büro der vergangenen 30-50 Jahre nicht das Arbeitsmodell der Zukunft ist, die sogenannte Coworking-Bewegung in ihrer bis heute existenten Form wird es aber auch nicht sein, sondern ist auch schon jetzt Teil der Vergangenheit.  Die Zukunft gehört schlichtweg Unternehmen, die in der Lage sind für ihre Mitarbeiter und / oder eben auch für externe Dritte pragmatisch gestaltete und produktiv nutzbare Arbeitsumgebungen im unmittelbaren Umfeld der Lebensmittelpunkte der Menschen bereitzustellen und sich lieber an Ergebnissen statt an Konferenzen und Geschwafel über Räume mit Tischen und Stühlen messen lassen. Die Mehrwert für ihre Mitarbeiter und Nutzer schaffen und dabei gleichzeitig noch gesundheitliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte nicht außer Acht lassen anstatt im Kreis zu sitzen, Kumbaya zu singen und sich deswegen für besonders fortschrittlich zu halten.

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Artikel der Woche zum Thema Coworking

Nach dem üblichen Stress zum Jahresanfang wieder ein kurzer News-Überblick zu den Themen Coworking, Startups & Co.:

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Artikelreihe zur Zukunft der Arbeit bei Telepolis

Bei Telepolis gibt es derzeit eine Artikelreihe zum Thema Zukunft der Arbeit, darunter auch zu Coworking & Co:

Schade, dass die dort genannten positiven Beispiele vorrangig Konzerne und größere Unternehmen sind, denn ich habe den Eindruck, dass solche neue Modelle zu Arbeitsorganisation einschließlich der Arbeitszeiten in der Breite noch nicht in der deutschen Wirtschaft angekommen sind. Peinlich finde ich es hierbei, dass vielfach selbst in Behörden eine flexiblere Ausgestaltung der Arbeitszeiten möglich ist als beispielsweise bei vielen Unternehmen der IT- und Werbebranche, bei denen man so etwas eigentlich zuerst erwarten sollte. Wo sonst sind Arbeitszeit und -ort dergleichen irrelevant? Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass in den Behörden ausreichend Leute arbeiten, während in den genannten Branchen der Privatwirtschaft gerne die Personaldecke sehr dünn und hart auf Kante gehalten wird, maximal flankiert durch entsprechend billig ausbeutbare Praktikanten, Werkstudenten und atypische Arbeitsverhältnisse.

Mir persönlich sind Unternehmen bekannt, wo man wie ein Alien oder Verbrecher angeschaut wird, wenn man nach 9 Uhr erscheint, oder auch ein Systemhaus, wo alle um 8 Uhr anfangen müssen, weil die Techniker im Außendienst um 8 Uhr zu Kunden losfahren und vergleichbare schlechte Scherze. Wenn man selbst sogenannter B-Typ ist, sind alleine solche Kleinigkeiten wie der spätere Arbeitsbeginn auch aus gesundheitlichen Gründen ein Muss, in vielen KMU-Unternehmen so aber nicht realisierbar. Ich denke, dies hat vor allem damit zu tun, dass in solchen Firmen kaum ein Gedanke an die Arbeitsorganisation in diese Richtung verschwendet wird und ein Projektmanagement oft genug auch nicht existiert oder nicht die notwendige Flexibilität bietet.

Nachfolgend ein paar Links zum Thema B-Typen und b-society:

Faktisch ist es in diesem Land noch immer vielen Menschen mit einer entsprechenden Chronobiologie nicht möglich, in einem normalen Angestelltenverhältnis zu arbeiten, da viele Unternehmen bereits an einer ausreichenden Flexibilisierung der Arbeitszeit scheitern, ganz zu schweigen von Arbeitsort und anderen organisatorischen Aspekten, die u.a. einen Kontrollverlust für das Unternehmen darstellen. Gleichzeitig wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit der angebliche Fachkräfte-Mangel beschworen, wo doch eigentlich vorrangig ein Mangel an Verstand und Flexibilität das Problem darstellt.

Ich denke, eine von vielen Aufgaben der Coworking-Szene im Jahr 2013 wird darin bestehen, auch KMU-Unternehmen von der notwendigen Flexibilisierung der Arbeitsorganisation zu überzeugen, z.B. durch entsprechende Testpakete, Kooperationen, Events und die Analyse möglicher zusätzlicher Bedürfnisse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Gleichzeitig muss Unternehmern und leitenden Angestellten die Angst vor dem Kontrollverlust genommen werden. Theoretische Modelle müssen in der Praxis evaluiert werden und sich bewähren. Ansonsten wird die “schöne neue Arbeitswelt” noch weitere Jahre oder gar Jahrzehnte auf sich warten lassen.

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Coworking-Szene wünscht entspannte Feiertage und ein guten Rutsch!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs sowie Kollegen und Partnern erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Und sollte am 21. Dezember doch die Welt untergehen, sehen wir uns auf der Aftershow-Party ;-)

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Artikel der Woche zum Thema Coworking

Kurz vor den Feiertagen noch einmal eine Übersicht der Artikel zu Coworking und Existenzgründung:

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Artikel der Woche zum Thema Coworking

Es tut sich nach den Herbstferien im Endspurt zum Jahreswechsel derzeit wieder mehr in der Coworking-Szene – wie man sehen kann:

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Artikel der Woche zum Thema Coworking

In dieser Woche findet in Paris die Coworking Europe-Konferenz statt, daher nachfolgend nur ein kleiner Ausschnitt der sonstigen Artikel rund um Coworking, Startups und Selbständigkeit:

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Artikel der Woche zum Thema Coworking

Nachfolgend mal wieder ein Update der News rund um Coworking, Existenzgründung und neue Arbeitsformen:

 

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